Ein Forschungsteam des Massachusetts Eye and Ear Centers der Havard Universität hat in einem präklinischen Modell der Autoimmun-Uveitis gezeigt, dass Mikroglia, die primären Immunzellen des zentralen Nervensystems (was die Netzhaut des Auges miteinschließt), eine entzündungsregulierende Rolle im Krankheitsgeschehen spielen. Die Uveitis beschreibt eine Entzündung von Bestandteilen des Auges und schließt dabei die Netzhaut, den Sehnerv und den Glaskörper mit ein. Die Erkrankung ist eine der Hauptursachen für Erblindung, wodurch sie weltweit etwa 10% der signifikanten Sehbehinderung verursacht. Die autoimmun-verursachte Uveitis ist definiert durch eine autoreaktive Entzündung der Netzhaut und tritt bei einer Vielzahl von Krankheiten auf, darunter die Bechet-Krankheit, Sarkoidose und Vogt-Koyanagi-Harada-Krankheit. Hierbei kommt es nach einer anhaltenden Entzündung oft zu einem schweren Sehverlust durch immunvermittelte Schäden an den neuronalen Zellen der Netzhaut, wobei ein hohes Vorhandensein von Immunzellen im Auge mit einer erhöhten entzündlichen Zerstörung einhergeht. Trotz erheblicher Fortschritte in Forschung und Therapie konnte die Prävalenz der Autoimmun-Uveitis in den letzten 30 Jahren nicht gesenkt werden. In einem online veröffentlichten Bericht im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) beschreiben die Forscher erstmals eine regulierende Rolle für Mikroglia bei der Initiierung der autoimmunen Uveitis in der Netzhaut. Als Reaktion auf die Krankheitsinduktion verbanden sich die Mikroglia eng mit der retinalen Gefäßversorgung und erleichtern den Eintritt entzündlicher Immunzellen durch die Blut-Hirn-Schranke. Da Mikroglia verschiedene Aktivierungsstadien aufweisen, die mit schädlichen oder positiven Auswirkungen auf die Krankheitspathogenese verbunden sein können, ist ihre Rolle und Funktion im Krankheitsverlauf nicht genau definiert. Forscher aus allen Bereichen der Medizin haben in jüngster Zeit begonnen, den Einfluss dieser Abwehrzellen unter verschiedenen Bedingungen zu untersuchen. So werden Mikroglia beispielsweise bereits bei Alzheimer, Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen des Gehirns teilweise als schadhaft angesehen. “Diese Ergebnisse liefern erste Erkenntnisse darüber, wie Mikroglia während einer systemischen Autoimmunerkrankung, die auf das Auge abzielt, reagieren und funktionieren”, sagte Hauptautor der Studie, Yoko Okunuki, MD, PhD, ein Forscher und Augenarzt an der Harvard Medical School.
Aktuelles
Mikrogliazellen des ZNS regulieren Entzündungsreaktionen bei autoimmuner Uveitis
Harvard-Forscher zeigen erstmals, dass Mikrogliazellen Entzündungsreaktionen bei autoimmuner Uveitis steuern und Immunzellen den Eintritt in die Netzhaut bahnen.
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