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Sjögren-Syndrom: Wie Immun- und Gewebszellen die Entzündung verstärken

Eine japanische Studie entschlüsselt, wie das Zusammenspiel von Immun- und Bindegewebszellen die Entzündung beim Sjögren-Syndrom antreibt – und rückt mit der CD153-CD30-Achse einen möglichen Ansatzpunkt für künftige Therapien in den Blick.

Mikroskopische Darstellung von entzündetem Drüsengewebe beim Sjögren-Syndrom
Mikroskopische Darstellung von entzündetem Drüsengewebe beim Sjögren-Syndrom

In einer neuen Studie aus Japan zeigen Forschende, wie die Interaktion zwischen Immun- und Gewebszellen autoimmune Entzündungen beim Sjögren-Syndrom vorantreiben kann und wie Versuche mit Mäusen dabei helfen, grundlegende Mechanismen zu verstehen.

Das Sjögren-Syndrom ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem vor allem Tränen- und Speicheldrüsen angreift und zu Entzündungen im Körper führt. Es kann als eigenständige Erkrankung (primäres Sjögren-Syndrom) oder als Begleiterkrankung einer anderen Autoimmunerkrankung auftreten (sekundäres Sjögren-Syndrom). Typische Symptome sind Trockenheit von Mund und Augen, oft begleitet von Müdigkeit und Gelenkbeschwerden. Das Sjögren-Syndrom zählt weltweit zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen und tritt meist im Alter zwischen 40 und 60 Jahren auf. Bemerkenswert ist, dass mit über 90 % überwiegend Frauen betroffen sind.

Für ihre Studie untersuchte das Forscherteam Mäuse, die an einem frühen Stadium des primären Sjögren-Syndroms litten. Die Forschenden bestimmten sogenannte Markerproteine auf der Oberfläche von Zellen, durch die sich verschiedene Zellgruppen voneinander unterscheiden lassen und die zugleich wichtige Funktionen bei der Steuerung von Immunprozessen übernehmen. Das Markerprotein CD4 findet sich beispielsweise auf T-Helferzellen, einer Untergruppe von Immunzellen. Ein weiteres Markerprotein ist das CD153, das zusätzlich auf einer ganz bestimmten Gruppe dieser CD4-positiven T-Zellen vorkommt.

Die Forschenden fanden heraus, dass genau diese CD153- und CD4-positiven T-Zellen die Sjögren-typischen Entzündungen vorantreiben, indem sie mit Zellen des Bindegewebes interagieren. Dazu docken die T-Zellen an Fibroblasten an, die den Großteil der Bindegewebszellen ausmachen. Einige dieser Fibroblasten tragen ebenfalls ein bestimmtes Markerprotein namens CD30 auf ihrer Oberfläche. Es zeigte sich, dass die CD153-positiven T-Zellen des Immunsystems an die CD30-positiven Fibroblasten andocken und sie dazu anregen, sich unkontrolliert zu vermehren und Botenstoffe auszuschütten. Diese Botenstoffe locken wiederum weitere Immunzellen an. Der so entstandene Teufelskreis treibt die Entzündung im Gewebe voran und lässt diese schließlich chronisch werden.

In weiteren Versuchen schafften die Forschenden es, das Gen für das Markerprotein CD153 gezielt in den T-Zellen der Mäuse auszuschalten. Zudem nutzten sie im Labor hergestellte Antikörper, um die Produktion der Botenstoffe durch die Fibroblasten zu hemmen. Das Ergebnis: In beiden Fällen wanderten deutlich weniger Immunzellen in das Gewebe ein und die autoimmune Gewebe-Zerstörung konnte erheblich gestoppt werden. Um zu überprüfen, ob diese Entdeckungen auch für Menschen nützlich sein könnten, analysierte das Forscherteam Proben von Patienten. Sie stellten fest, dass die Aktivität der CD153-CD30-Achse, also der Interaktion zwischen diesen Markerproteinen, direkt mit der Schwere der Erkrankung korrelierte. Daraus schlossen die Forschenden, dass der im Mausmodell entdeckte Mechanismus auch beim Menschen eine zentrale Rolle spielen und zukünftig ein therapeutisches Ziel bei dieser Erkrankung sein könnte. Bis es so weit ist, werden jedoch noch weitere Studien zu der Übertragbarkeit auf Menschen nötig sein.

Quelle: https://www.nature.com/articles/s41467-026-72975-8

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