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Amerikanische Studie liefert neue Belege für einen Zusammenhang zwischen dem Epstein-Barr-Virus und Multipler Sklerose

Ein Team der University of California in San Francisco findet im Nervenwasser von MS-Patienten EBV-spezifische CD8+-T-Zellen und Virus-DNA. Das deutet darauf hin, dass eine Reaktivierung des Epstein-Barr-Virus im Nervensystem die Entzündung antreibt – und nicht, wie lange vermutet, eine Verwechslung mit körpereigenem Gewebe.

Illustration einer Nervenfaser mit angegriffener Myelinscheide, davor Epstein-Barr-Viruspartikel und eine CD8+-T-Zelle
Illustration einer Nervenfaser mit angegriffener Myelinscheide, davor Epstein-Barr-Viruspartikel und eine CD8+-T-Zelle

Lange wurde vermutet, dass das Epstein-Barr-Virus (EBV) eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Multipler Sklerose (MS) spielt. Eine Studie der University of California in San Francisco liefert nun neue Erkenntnisse.

Die Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinscheiden angreift, die die Nervenfasern als Schutz- und Isolierschicht umhüllen. Durch ihre Zerstörung wird die Erregungsweiterleitung des Nervensystems beeinträchtigt. Zu den typischen Anzeichen gehören Sehstörungen, Sensibilitätsausfälle und motorische Probleme.

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist als Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers, auch „Kusskrankheit“ genannt, weit in der Bevölkerung verbreitet. Bis zum 30. Lebensjahr haben sich schätzungsweise über 95 Prozent der Menschen in Europa mit dem Virus infiziert. Nach einer Infektion bleibt das Virus ein Leben lang in den Gedächtniszellen des Immunsystems erhalten und verhindert eine erneute Ansteckung.

Dass das Epstein-Barr-Virus und die Multiple Sklerose eng miteinander zusammenhängen, wird schon lange vermutet. Nun konnte das amerikanische Forscherteam neue Beweise liefern, indem sie Blut und Nervenwasser bei MS-Patienten mithilfe moderner Techniken untersuchten. Dabei stießen sie auf eine besondere Gruppe von Abwehrzellen, sogenannte CD8+ T-Zellen. Ihre Aufgabe ist es, infizierte oder entartete Zellen zu erkennen und direkt zu zerstören.

Die Forschenden fanden heraus, dass ein Teil dieser CD8+ T-Zellen spezifisch darauf programmiert war Strukturen des Epstein-Barr-Virus zu erkennen. Gleichzeitig konnten sie bei diesen Patienten vermehrt EBV-DNA sowie einen deutlichen Anstieg von Botenstoffen des Virus im Nervenwasser nachweisen. Dies wertete das Team als einen Hinweis darauf, dass eine Reaktivierung des Virus im zentralen Nervensystem die Entzündungsreaktion und die Vermehrung der Abwehrzellen vorantreiben könnte.

Aufgrund ihrer Erkenntnisse gehen sie davon aus, dass das Epstein-Barr-Virus aktiv an der Entstehung der MS beteiligt ist, indem das Immunsystem versucht, eine Reaktivierung des Virus im Nervensystem zu bekämpfen. Die dabei entstehende starke Entzündungsreaktion könnte zu einer Schädigung der Nervenzellen und Myelinscheiden führen. Die Forschenden untersuchten zusätzlich, ob die EBV-spezifischen CD8+ T-Zellen in einer Kreuzreaktion direkt auf Bestandteile der Myelinscheiden reagieren, die dem Virus ähneln könnten. Da sie eine solche Reaktion nicht nachweisen konnten, vermuten sie, dass eine direkte Reaktion auf das Virus selbst und nicht auf körpereigenes Gewebe die Entzündung vorantreibt.

Auch wenn der genaue Pathomechanismus weiterhin ungeklärt bleibt, zeigt die Studie eindrücklich, wie Autoimmunerkrankungen und Virusinfektionen miteinander zusammenhängen können. Die Ergebnisse helfen dabei, die Entstehung der MS besser zu verstehen und könnten zukünftig die Entwicklung neuer Therapieansätze ermöglichen. Es werden jedoch weitere Untersuchungen mit größeren Patientengruppen notwendig sein, um die Erkenntnisse zu vertiefen.

Quelle: https://www.nature.com/articles/s41590-025-02412-3

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