Die multiple Sklerose (MS) ist eine autoimmune, chronisch-entzündliche neurologische Erkrankung mit unterschiedlichen Verlaufsformen. Während für die MS momentan über 17 krankheitsmodifizierende Therapien zugelassen sind, ist es bis dato nicht möglich, den Krankheitsverlauf ultimativ zu stoppen. Um dieser Problematik zu begegnen, verwenden Wissenschaftler zur Erforschung der Krankheit ein Mausmodell namens „experimentelle Autoimmun-Enzephalomyelitis“, kurz EAE, um Krankheitsmechanismen aufzudecken, die zu neuen oder verbesserten Behandlungsmethoden für Betroffene führen könnten.
Forscher der University of Alabama in Birmingham berichten nun in der Zeitschrift JCI Insight, wie dysregulierte Neutrophile Granulozyten Schäden in einer schweren, besonderen Form von EAE verursachen, die als atypische EAE bezeichnet wird und Kleinhirngewebe angreift.
Immer mehr Evidenz deutet auf die schädlichen Auswirkungen von Neutrophilen bei Multipler Sklerose hin. Die Zellen sind die häufigsten weißen Blutkörperchen im Körper, aber ihre genaue Funktion bei Multipler Sklerose ist unklar. Die physiologische Funktion der Neutrophilen ist es, aus dem Blutkreislauf auszutreten und zu Infektions- oder Entzündungsquellen im Gewebe vorzudringen. Im Alltag begegnen uns Neutrophile bei der zellulären Immunabwehr von Infektionen als die häufigsten Zellen im Eiter.
Durch die Entfernung eines Gens in Mäusen konnten die Forscher einen bestimmten Signalweg, den sogenannten JAK/STAT Signalweg, manipulieren. In Abwesenheit des Gens zeigte sich dieser Signalweg als überaktiv, was die Entstehung von Entzündungen bei den betroffenen Mäusen maßgeblich förderte und als atypische EAE bezeichnet wird. Bei den Mäusen, deren Signalweg manipuliert wurde, änderte sich gleichzeitig die Zellaktivität in den Neutrophilen Granulozyten, welche daraufhin übermäßige Mengen an reaktiven Sauerstoffspezies produzierten. Diese chemisch aktiven Verbindungen sind in der Lage, Zellstrukturen zu schädigen. Als die Mäuse daraufhin Behandlungen zur Neutralisierung der reaktiven Sauerstoffspezies erhielten, verzögerte sich der Beginn der atypischen EAE und die Schwere der Erkrankung wurde reduziert.
Die Mechanismen, die diese Veränderungen verursachten, waren unter anderem ein verbessertes Ansprechen des manipulierten JAK/STAT-Signalwegs auf das Signalprotein Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktor (GSF). Nach der experimentellen Neutralisierung von GSF wurde die Häufigkeit und Schwere der atypischen EAE ebenfalls signifikant reduziert.
Zusammengefasst zeigt die Arbeit der Forscher die Bedeutung der Interaktion von JAK/STAT und GSF und deren Einfluss auf eine schadhafte zelluläre Aktivität in Neutrophilen. Weiterhin deuten die Ergebnisse an, dass sich GSF und Neutrophile Granulozyten grundsätzlich als Ziele zur Behandlung der MS eignen könnten.

Quelle: https://www.uab.edu/news/research/item/10510-deletion-in-mouse-neutrophils-offers-clues-to-pathogenesis-in-multiple-sclerosis

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