Neu identifizierte Untergruppen von Zelltypen, die im Gelenkgewebe von Menschen mit rheumatoider Arthritis (RA) vorkommen, und deren Wirkweise könnten erklären, warum nur einige Menschen auf bestehende Medikamente der RA-Therapie ansprechen, wie zwei Studien von Wissenschaftlern des Medicine Laboratory am Hospital for Special Surgery (HSS) und zusammenarbeitende Kollegen herausgefunden haben. Die Ergebnisse deuten darüber hinaus auf neue Ziele für die Entwicklung zukünftiger präziserer Behandlungsstrategien hin.

In den westlichen Industrieländern sind etwa 1 bis 2 Prozent der erwachsenen Bevölkerung von der rheumatoiden Arthritis betroffen. Trotz fortschreitend verbesserter Behandlungsmethoden können nicht alle Menschen mit RA wirksam behandelt werden, insbesondere solche, die nicht auf krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs) oder Biologika ansprechen.

Die Pathogenese der RA beinhaltet ein komplexes Zusammenspiel vieler verschiedener Zelltypen - darunter T-Zellen, B-Zellen, Monozyten und Fibroblasten. Trotz intensiver Forschung sind die spezifischen Subtypen, die den Krankheitsverlauf vorantreiben, weitgehend undefiniert.

Für das erste Papier, das kürzlich in der Zeitschrift Nature Immunology veröffentlicht wurde, gelang es den Forschern eine umfassende "Karte" der Zellen im RA-Gelenkgewebe unter Verwendung fortschrittlicher Sequenzierungstechnologien zu erstellen. Darin identifizierten sie 18 einzigartige Zellpopulationen im Synovialgewebe von 36 Patienten mit RA. Mehrere der Zelltypen waren bei Menschen mit RA in höheren Mengen vorhanden als in Kontrollproben von Patienten mit Arthrose, einer degenerativen Gelenkerkrankung, die aus einem Verlust von Knorpelsubstanz aufgrund von Verletzungen oder Verschleiß im Laufe der Zeit resultiert.

Für das zweite Paper, das kurze Zeit später in der Zeitschrift Science Translational Medicine veröffentlicht wurde, führten die Wissenschaftler zusätzliche Forschungen durch, um einen bestimmten krankheitsassoziierten Zelltyp zu untersuchen. Sie entdeckten in den RA-Gewebeproben eine zahlreich vorhandene Untergruppe von Makrophagen, die sie als HBEGF+ entzündliche Makrophagen bezeichneten. Makrophagen sind weiße Blutkörperchen, die ihre Wirkweise anhand von Signalen anderer Zellen ausrichten. Im chronisch entzündeten RA-Gewebe sind Makrophagen eine bekannte Quelle für den Tumornekrosefaktor (TNF), ein kleines Protein, das maßgeblich an den entzündlichen Wechselwirkungen beteiligt ist. Die Forscher testeten, wie klinisch wirksame RA-Medikamente die entzündlichen Makrophagen vom HBEGF+ -Typ auf zellulärer Ebene beeinflussten. Sie waren überrascht zu entdecken, dass Cyclooxygenase (COX)-Hemmer, die als nicht-steroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAIDs) bekannt sind, einen signifikanten Einfluss auf die Funktion dieser Makrophagen hatten, aber keinen Einfluss auf die TNF-Aktivität. Dieser Befund könnte erklären, warum NSAIDs effektiv in der Behandlung von Schmerzen sind, aber bei RA keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben. Ein zur Krebsbehandlung entwickeltes experimentelles Medikament, ein epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor-(EGFR)-Inhibitor namens AG-1478, konnte die Aktivität der HBEGF+ inflammatorischen Makrophagen in Zellstudien erfolgreich umkehren. Somit konnten die Wissenschaftler zeigen, dass es möglich ist, die Aktivität dieser Zellen gezielt zu beeinflussen. Dennoch hat das angewandte Medikament signifikante systemische Nebenwirkungen beim Menschen, so dass spezifischere Forschung von Nöten ist, um den Behandlungsansatz für den klinischen Einsatz zu etablieren.

"Insgesamt hat unsere bisherige Arbeit an diesen beiden Papern bisher unbekannte Teilmengen von Zellen identifiziert und neue Erkenntnisse darüber geliefert, wie einige dieser Zelltypen miteinander interagieren, um die RA voranzutreiben", sagt Dr. Donlin, Co-Direktorin des Derfner Foundation Precision Medicine Laboratory am Hospital for Special Surgery (HSS). "Wir hoffen, dass wir durch ein besseres Verständnis der Zellpopulationen bei einzelnen Patienten einen Weg finden können, um sie im Frühstadium der Erkrankung mit präzisen medizinischen Strategien zu behandeln."

Quelle: https://news.hss.edu/hss-scientists-publish-two-studies-on-ra-treatment-strategies

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