Arteriitis temporalis (Riesenzellarteriitis)

Die Arteriitis temporalis ist eine Gefäßentzündung im Bereich der Kopfarterien.
Die Enstehung der Arteriitis temporalis ist noch ungeklärt. Vermutet wird ein Zusammenhang mit einer viralen Infektion. Dafür sprechen eine jahreszeitliche Häufung der Erkrankung, die vermehrte Angabe von vorangegangenen Infekten (Grippe, Lungenentzündungen) im Vergleich zu Gesunden. Verschiedene Studien berichten über mögliche Zusammenhänge mit genetischen Veranlagungen.

Pathogenetisch besteht eine zellvermittelte Autoimmunität mit einer granulomatösen Entzündung der von der A. carotis abgehenden Gefäße unter Bevorzugung der A. temporalis.

Häufigkeit
Die Arteriitis temporalis betrifft vorwiegend Personen >50 Jahre. Frauen erkranken häufiger als Männer. Es gibt ein ausgeprägtes Nord-Südgefälle der Erkrankungshäufigkeit. In skandinavischen Ländern ist die Erkrankungshäufigkeit mit 29 Erkrankten auf 100.000 Einwohner >50 Jahre am höchsten.

Symptome
Die Arteriitis temporalis geht einher mit Kopschmerzen, besonders im Bereich der Schläfe, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, Fieber und Depression. Die A. temporalis (Schläfenarterie) ist häufig verdickt, druckschmerzhaft und gelegentlich auch kein Puls zu tasten. Bei Einbeziehung der A. centralis retinae (Augen/Netzhautarterie) bestehen Sehstörungen bis hin zur Erblindung.
Häufig tritt die Arteriitis temporalis zusammen mit einer Polymyalgia rheumatica auf. Die Coinzidenz dieser beiden Erkrankungen ist unterschiedlich in den einzelnen ethnischen Gruppen. Sie ist am höchsten in den skandinavischen Ländern. In Norwegen sind ca. 80% aller Patienten, die unter einer Polymyalgia rheumatica leiden auch von einer Arteriitis temporalis betroffen.
Bei Vorliegen einer Polymyalgia rheumatica bestehen als zusätzliche Symptome Morgensteifigkeit sowie Schmerzen im Schulter- und Beckengürtel mit Druckempfindlichkeit der Oberarme.

Diagnose
Die Diagnose der Arteriitis temporalis erfolgt anhand der charakteristischen Symptome. Bei der augenärztichen Untersuchung zeigt sich bei Beteiligung der Augen/Netzhauarterie ein kirschroter Fleck in der Fovea centralis (Zentrale Sehgrube). Die Ultraschall(Doppler)-Untersuchung der Schläfenarterie zeigt eine Flußminderung und kann zur Stützung der Diagnose herangezogen werden. Wenn eine Gewebeprobe der Arterie untersucht wird finden sich sog. „Riesenzellen“, die typisch für die Erkrankung sind. Die Blutsenkungsgeschwindigkeit ist fast immer deutlich erhöht (über 50 mm in der ersten Stunde).

Therapie
Die Diagnose einer Arteriitis temporalis erfordert eine sofortige Therapie, um Komplikationen wie z.B. eine Erblindung zu verhindern. Mittel der ersten Wahl sind Kortikosteroide. Nach anfangs höherer Dosis kann diese nach nach einigen Monaten auf eine sog. Erhaltungsdosis reduziert werden. Diese Erhaltungsdosis wird nichzt selten über 5 Jahre lang verabreicht, um ein Rezidiv zu vermeiden.
Weitere Immunsuppressiva wurden ebenfalls zur Behandlung der Arteriitis temporalis angewandt. Zu nennen sind Methotrexat und Azathioprin. Sie können zusätzlich zur Einsparung von Kortikosteroiden herangezogen werden. Über die Verwendung von Cyclosporin A gibt es nur wenig Literatur.
Weitere Informationen finden Sie unter (externe Links):
Deutsche Gesellschaft für Neurologie
www.rheumawelt.de (BSMO GmbH)

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