Abendl. Stiftungskultur

Das Stiftungswesen geht auf alte deutsche Tradition zurück. Die ältesten Stiftungen in Deutschland reichen bis ins neunte Jahrhundert zurück, also eine Zeit, als Amerika noch gar nicht entdeckt war.

Vermutlich basiert der Stiftungsgedanke im christlichen Abendland auf den Salomonischen Büchern der Bibel, wo es in Vers 11/24 heißt:

Einer teilt reichlich aus und wird noch reicher;

ein anderer geizt, wo er nicht sollte, und wird doch ärmer.

Die sogenannte „Pia Causa“, der Wunsch durch Gottgefälligkeit das Fegefeuer zu verkürzen, veranlasste die frühen Stifter in christlicher Nächstenliebe für wohltätige Zwecke zu spenden und Gutes zu tun. In der Blütezeit Venedigs hatten italienische Kaufleute in ihren Büchern sogar ein “conto per dio“, also ein Konto Gottes. Wenn im Mittelalter geschäftlicher Erfolg und gute Gewinne nicht gerade als Tugend angesehen waren, so war mit den Konten Gottes doch die Hoffnung verbunden, Gott am Erlös beteiligt und dadurch das Himmelstor auf der letzten Reise ein wenig aufgestoßen zu haben. Die Augsburger Fugger gingen im 15./16. Jahrhundert sogar noch über die Herrgottskonten hinaus und richteten für ihren Stadtheiligen das „Konto St. Ullrich“ ein, aus dem später die Fuggerschen Stiftungen entstanden sind.

Die mehr als 50 verschiedenen weniger vertretenen Autoimmun-Erkrankungen bieten vielen Stiftern Gelegenheit, als Zu-Stifter ein „conto per dio“ anzulegen.   

Wem hingegen christlich, mittelalterlicher Altruismus fremd ist, der mag seinen Stiftungsbeitrag als Dank an unser Land und die Gesellschaft empfinden, die seinen Wohlstand zu Lebzeiten möglich gemacht haben.