NIR 2002

Verleihung des Nils-Ilja-Richter-Preises 2002

Neuer, potentieller Behandlungsansatz bei Autoimmun-Erkrankungen

Der Rektor der Universität Leipzig, Herr Prof. Dr. Bigl (re), übergibt den Nils-Ilja-Richter-Preis in Gegenwart des Preisstifters, Herrn Richter (mi), an Herrn Dr. Felix Bischof aus Tübingen.

 

Den mit 10.000 Euro dotieren Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Autoimmun-Erkrankungen e.V. erhielt in diesem Jahr der Tübinger Wissenschaftler Dr. Felix Bischof (Universitätsklinik für Neurologie Tübingen) für seine Arbeit mit dem Titel „Specific treatment of autoimmunity with recombinant invariant chains in which CLIP is replaced by self-epitopes". Der Preis wurde in einer feierlichen Zeremonie am 07.06.02 im Rahmen des „3rd Interdisciplinary Symposium on the Treatment of Autoimmune Disorders“ verliehen.

Autoimmunerkrankungen wie die Rheumatoide Arthritis, die Multiple Sklerose oder die Zuckerkrankheit des Kindesalters sind gekennzeichnet durch Immunreaktionen, die sich gegen körpereigenes Gewebe richten. Die Tübinger Arbeitsgruppe untersucht die Mechanismen, die der Entstehung solcher Autoimmunerkrankungen zugrunde liegen und entwickelt neue biotechnologische Methoden, um diese krankheitsauslösenden Immunreaktionen zu unterdrücken.

In der Arbeit, die durch den Preis ausgezeichnet wird, stellen die Wissenschaftler eine neue Methode vor, mit der es sehr effektiv möglich ist, Immunantworten gegen körpereigene Gewebe gezielt zu unterdrücken, ohne die Reaktivität des Immunsystems gegen andere Zielstrukturen zu beeinträchtigen.
Bei dieser Methode werden Antigene, gegen die sich die unerwünschte Immunreaktion richtet, genetisch mit einem natürlichen Eiweißstoff, der invarianten Kette, verknüpft. Dieser Eiweißstoff lagert sich mit antigenpräsentierenden Molekülen zusammen, die dann die Aktivität von krankheitsauslösenden T-Helfer-Zellen beeinflussen und so die Autoimmunreaktion unterdrücken. Diese Methode ist im Tierversuch sehr effektiv und kann potentiell zur Behandlung menschlicher Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden.

Zusammenfassungen der Arbeiten (Abstracts NIR 2001)

Titel
Specific treatment of autoimmunity with recombinant invariant chains in which CLIP is replaced by self-epitopes.

Autor
Bischof F., Wienhold W., Wirblich C., Malcherek G., Zevering O., Kruisbeek A.M., Melms A.

Quelle
Proc Natl Acad Sci U S A 2001 Oct 9;98(21):12168-73

Zusammenfassung
The invariant chain (Ii) binds to newly synthesized MHC class II molecules with the CLIP region of Ii occupying the peptide-binding groove. Here we demonstrate that recombinant Ii proteins with the CLIP region replaced by antigenic self-epitopes are highly efficient in activating and silencing specific T cells in vitro and in vivo. The Ii proteins require endogenous processing by antigen-presenting cells for efficient T cell activation. An Ii protein encompassing the epitope myelin basic protein amino acids 84-96 (Ii-MBP84-96) induced the model autoimmune disease experimental allergic encephalomyelitis (EAE) with a higher severity and earlier onset than the peptide. When applied in a tolerogenic manner, Ii-MBP84-96 abolished antigen-specific T cell proliferation and suppressed peptide-induced EAE more effectively than peptide alone. Importantly, i.v. administration of Ii proteins after EAE induction completely abrogated the disease, whereas peptides only marginally suppressed disease symptoms. Ii fusion proteins are thus more efficient than peptide in modulating CD4(+) T cell-mediated autoimmunity, documenting their superior qualities for therapeutic antigen delivery in vivo.

Abstract PubMed/Medline:

auf der Website: www.ncbi.nlm.nih.gov