|
Verleihung des Nils-Ilja-Richter-Preises
1999/2000
Neue Erkenntnisse beim Pemphigus vulgaris.
Am 12. November 1999 wurde der mit 25.000 DM dotierte Nils-Ilja-Richter-Preis
erstmalig vergeben.
 |
Der Dekan der Christian-Albrechts-Universität,
Herr Prof. Albers (links), übergibt den Nils-Ilja-Richter-Preis
in Gegenwart des Preisstifters, Herrn Richter (rechts),
an Herrn Prof. Hertl aus Erlangen. |
Den Preis erhielt Herr Prof.
Dr. med. Hertel aus der Dermatologischen Klinik der
Universität Erlangen
für seine Arbeit über die zelluläre Immunpathogenese
des Phemphigus vulgaris.
Der Pemphigus
vulgaris ist eine der schwersten blasenbildenden Autoimmun-Erkrankungen
der Haut. Der Pemphigus kann als eine klassische Modellerkrankung
einer Autoimmun-Erkrankung betrachtet werden: die Pathogenese
dieser schweren Erkrankung wird durch zirkulierende
Antikörper verursacht, die spezifische Adhäsionstrukturen
in der Haut (Desmogleine) binden und dadurch eine Störung
der Hautstabilität verursachen, was letztendlich
zur Blasenbildung führt. Ferner weiss man, dass
bestimmte immungenetische Faktoren (HLA-Faktoren) das
Auftreten der Pemphigus-Erkrankung begünstigen,
da an Pemphigus Erkrankte wesentlich häufiger als
die Normalbevölkerung Träger bestimmter HLA-Klasse
II Allele sind , z. B. des DRß1*0402 Alleles.
Der Pemphigus ist somit eine Erkrankung, die als Modell
einer antikörpervermittelten Autoimmunität
zu sehen ist, die den wesentlichen Vorteil gegenüber
vielen anderen Autoimmunerkrankungen besitzt, dass sie
in Bezug auf die Pathogenese äußerst gut
definiert ist und sich somit für Untersuchungen
zum Verständnis für Autoimmunität im
allgemeinen besonders anbietet.
In dieser Arbeit wurde untersucht, ob T-Lymphozyten
als Träger der spezifischen Immunität bei
der Pemphigus-Erkrankung an der Autoimmunitätsreaktion
gegen epidermale Adhäsionsstrukturen (Desmogleine)
mitbeteiligt sind. Diese Arbeit zeigt sehr deutlich,
dass sich im Blut von Patienten mit Pemphigus-Erkrankung
autoreaktive T-Lymphozyten vorkommen, die sich gegen
Desmoglein 3 als Bestandteil der gesunden Haut wenden.
Diese autoreaktiven Desmoglein-3 spezifischen T-Zellen
finden sich jedoch auch bei gesunden Personen und
zwar überwiegend
bei solchen, die identische oder strukturell sehr ähnliche
HLA-Klasse II-Moleküle wie die betroffenen Patienten
aufweisen. Diese Untersuchungen legen somit nahe,
dass immungenetische
Faktoren wirklich eine wesentliche Rolle für die
Entstehung einer Autoimmunreaktion auf körpereigene
Strukturen der Haut haben. Ferner produzieren T-Zellen
von Patienten mit Pemphigus andere Zytokine als T-Zellen
von Gesunden. Diese ersten Erkenntnisse weisen darauf
hin, dass nicht das Vorliegen autoreaktiver T-Zellen
alleine entscheidet, ob diese Autoimmunerkrankung
auftritt, sondern dass auch die Qualität der
T-Zell-Antwort eine entscheidende Rolle spielt. Da
die Produktion der
krankheitserzeugenden Antikörper beim Pemphigus
meist durch T-Zellen reguliert wird, bestehen in
Zukunft möglicherweise wesentlich spezifischere
Behandlungstrategien, solche Erkrankungen durch Elimination
autoreaktiver
T-Lymphozyten zu behandeln.
Es gibt bereits laufende in vitro-Untersuchungen,
in denen versucht wird, die autoreaktiven T-Zellen
durch modifizierte Peptide des Desmoglein 3 in eine
Inaktivierungsphase
(Anergie) zu bringen. Diese Ansätze sind vielversprechend
und können möglicherweise schon in absehbarer
Zeit auch therapeutisch bei Patienten mit Pemphigus-Erkrankung
eingesetzt werden. Diese spezifische Vakzinierungstherapie
hat den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu der bisher
praktizierten immunsuppressiven Behandlung mit Kortison
und anderen Immunsuppressiva spezifisch die Autoimmunantwort
beeinflusst und dadurch die entsprechenden schwerwiegenden
Nebenwirkungen einer immunsuppressiven Therapie bei
diesem schweren Krankheitsbild nicht aufweist.
Eine
Zusammenfassung der Arbeit finden Sie hier.

|