Neuer Behandlungsansatz in der MS-Therapie
| Neuer Behandlungsansatz in der MS-Therapie |
| 30.01.2005 |
Im Rahmen einer multizentrischen Untersuchung wird an der MS-Ambulanz der Klinik für Neurologie der Charite am Campus Mitte in Kürze eine "alternative" Therapiestudie bei MS durchgeführt werden. Es handelt sich um einen neuen, natürlichen Ansatz mit dem Ziel, regulatorische Zellen des eigenen Immunsystems zu vermehren, die die Autoimmunantwort bei der MS unter Kontrolle halten sollen.
Verabreicht wird Trichuris suis, ein für den Menschen nicht pathogener und somit unschädlicher Parasit, der nach ca. 10 Tagen wieder in avitaler Form, d.h. tot, aus dem Körper ausgeschieden wird. Auf dem Weg durch den Magen-Darmtrakt findet jedoch ein Kontakt mit dem körpereigenen Immunsystem statt. Es handelt sich also gleichsam um eine Art „Schluckimpfung“, die alle 14 Tage als Saft getrunken werden muß. Die verabreichte Substanz wurde in Deutschland bereits als Medikament zugelassen und ohne Nebenwirkungen vertragen.
Erste vielversprechende Ergebnisse wurden bereits bei anderen Autoimmunerkrankungen wie dem M. Crohn, einer entzündlichen Darmerkrankung (nachzulesen bei Summers et al., Gut 2005;54:87-90) und bei der Colitis ulcerosa erzielt (Nature Med 2005, im Druck). Eine Übersicht über den Therapieansatz wurde auch in der renommierten Zeitschrift Science veröffentlicht (Science 2004;305:170-171). Der Behandlungsansatz basiert auf der Hypothese, daß unser Immunsystem möglicherweise durch den hohen hygienischen Standard und die mangelnde Auseinandersetzung insbesondere mit parasitären Antigenen im Lauf der Zeit empfänglicher für Autoimmunerkrankungen geworden ist (sogenannte „Hygiene-Hypothese“). Die klinische Studie wird von wissenschaftlichen Untersuchungen zur neuroimmunologischen Wirkweise der Substanz begleitet werden. Ein Besuch auf der Webpage der Fa. Ovamed, die die Lizenz für die Substanz innehält, gibt weitere umfassende und aktuelle Informationen zu dem Thema (www.ovamed.de).
Für die Studie kommen Patienten ohne immunmodulatorische Therapie mit schubförmiger MS, die noch nicht langjährig erkrankt sind und einen EDSS zwischen 0 und 5,5 aufweisen, in Frage.
Einschlusskriterien sind
1.) eine Kontrastmittel aufnehmende Läsion in der MRT oder
2.) zwei Schübe in den vergangenen 2 Jahren oder
3.) neue MRT-Läsionen innerhalb der letzten 6 Monate.
Ansprechpartner:
Dr. R. Zschenderlein/PD Dr. K.P. Wandinger
Klinik für Neurologie
Klinische Neuroimmunologie
Tel.: +49 (0)30 450 560 343; +49 (0)30 450 560 102
Fax: +49 (0)30 450 560 932
MS-Ambulanz: Tel.: +49 (0)30 450-660 343
Email: klaus-peter.wandinger@charite.de
http://www.ovamed.de
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