Östrogen-Hormontherapie wirkt auch bei Männern
| Östrogen-Hormontherapie wirkt auch bei Männern |
| 26.08.2004 |
Es ist seit längerem bekannt, dass sich eine MS-Erkrankung während einer Schwangerschaft meist bessert. Zurückgeführt wird dies auf die Verlagerung der Immunantwort von Th1 in Richtung Th2 und auf die veränderte Produktion von Zytokinen. Bislang waren nur bei weiblichen Versuchsmäusen solche positiven Effekte einer Hormontherapie bzw. während der Schwangerschaft entdeckt worden. Auch bei nicht-schwangeren, mit weiblichen Geschlechtshormonen (Estriol) therapierten Frauen zeigte sich ein Rückgang der MS-Läsionen im MRI.
Amerikanische Forscher gingen nun der Frage nach, ob eine gezielte Östrogentherapie auch beim männlichen Geschlecht eine Wirkung zeigt. Ihre Ergebnisse stellten sie im Journal of Neuroimmunology vor. K. M. Palaszynski et al. untersuchten das Milzgewebe von männlichen und weiblichen Mäusen auf so genannte Östrogenrezeptoren. Sie fanden heraus, dass zwischen den Geschlechtern kein Unterschied hinsichtlich der Rezeptordichte bestand. Allen Mäusen wurde ein kleines Hormonreservoir mit 5 mg Estriol oder ein Placebo eingepflanzt, dann wurden die Tiere einen Monat lang auf klinische Anzeichen der EAE (MS-Art bei Mäusen) und Krankheitsscores untersucht. In beiden Gruppen, so stellte sich heraus, war der Krankheitsverlauf - im Vergleich zur Placebogruppe - signifikant abgeschwächt bzw. konnte sogar gestoppt werden. Daraus schließen die Forscher, dass eine Therapie mit Östrogenen sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Mäusen einen positiven Effekt auf die EAE-Erkrankung hat und damit nicht geschlechtsspezifisch ist. Mit der Entwicklung so genannter selektiver Östrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERM), die bereits in der Frauenheilkunde zum Einsatz kommen, könnten auch Männer ohne die unerwünschten Hormonwirkungen vom Effekt weiblicher Sexualhormone profitieren.
Quelle:
Palaszynski KM, Liu H, Loo KK, Voskuhl RR
Estriol treatment ameliorates disease in males with experimental autoimmune encephalomyelitis: implications for multiple sclerosis.
J Neuroimmunol. 2004 Apr;149(1-2):84-9 |
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