Genetische Komponente bei MS gesichert -Verbindung zu Diabetes Typ1 - Morbus Basedow
| Genetische Komponente bei MS gesichert -Verbindung zu Diabetes Typ1 - Morbus Basedow |
| 21.03.2008 |
An einer genetischen Komponente der multiplen Sklerose bestehen keine Zweifel: Eineiige Zwillingen von MS-Patienten erkranken zu 30 Prozent, andere Geschwister zu 2 Prozent an einer Multiplen Sklerose, während die Prävalenz in der Bevölkerung in Nordeuropa mit 0,1 Prozent deutlich niedriger ist.
Da die Multiple Sklerose eine Autoimmunerkrankung ist, wurden die genetischen Ursachen schon früh im MHC-Komplex vermutet, der für die Gewebeverträglichkeit eine zentrale Rolle spielt, also für die Unterscheidung von “eigen” und “fremd” durch Immunzellen, die bei der multiple Sklerose im Bereich der Myelinscheiden gestört ist.
Schon 1972 wurde eine Assoziation mit einer HLA-Eigenschaft auf dem Chromosom 6p21 beschrieben. Sie wurde jetzt durch die Studie des International Multiple Sclerosis Genetics Consortium bestätigt, andere HLA-Assoziationen wurden dagegen verworfen.
Die Gruppe um David Hafler vom Broad Institute an der Harvard Universität in Boston untersuchte 931 Gruppen, bestehend aus jeweils einem MS-Patienten und seinen beiden Eltern. Dabei wurde nach Übereinstimmungen in etwa 300.000 SNPs (single nucleotide polymorphisms) gefahndet. Das sind die bislang bekannten Varianten des menschlichen Genoms. Das Signal im klassischen HLA-DR-Lokus überragte alle anderen, was auch in einer Gegenprobe an anderen Kohorten mit MS-Patienten und Kontrollen – insgesamt wurden 12.000 Personen genetisch untersucht – der Fall war, wie die Forscher im New England Journal of Medicine (2007; 357:851-862) berichten.
Sie hatten gehofft, auf weitere noch unbekannte Gene zu stoßen. Tatsächlich fanden sie zwei Kandidatengene. Sie enthalten die Erbinformation für Varianten im Interleukin-2-Rezeptor (IL2RA) und im Interleukin-7-Rezeptor (IL7RA). Interleukin 2 ist ein wichtiges Zytokin in der Regulierung der T-Zell-Antwort, die bei Autoimmunreaktionen eine Rolle spielt. Eine Assoziation mit dem IL2RA-Gen wurde auch für den Typ-I-Diabetes mellitus und den Morbus Basedow, beides Autoimmunerkrankungen, beschrieben. Diese Assoziation ist deshalb nicht spezifisch für die multiple Sklerose.
Der Interleukin-7-Rezeptor spielt eine wichtige Rolle in der Kontrolle von sogenannten regulatorischen T-Zellen, die ebenfalls an der Pathogenese der multiplen Sklerose beteiligt sind. Die Assoziation mit IL7RA wurde von zwei weiteren Gruppen aus den USA und Schweden in Nature Genetics (2007; 39: 1083-1091 und1108-1113) bestätigt. Dieser Rezeptor werde infolge der jetzigen Erkenntnisse stärker in den Mittelpunkt der Forschung rücken, vermutet das Consortium in seiner Pressemitteilung.
Die Chancen, hier die genetische Ursache der multiplen Sklerose gefunden zu haben, ist jedoch gering. Die beiden Merkmale sind nämlich in der Bevölkerung (und damit auch bei Gesunden) weit verbreitet und der Anteil der Erkrankungen, die auf sie zurückgeführt werden kann, beträgt nach den Schätzungen der Forscher gerade einmal 0,2 Prozent, wie Leena Peltonen von der Universität Helsinki im Editorial bemerkt (NEJM 2007; 357: 927-929).
http://content.nejm.org/cgi/content/short/357/9/851
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