Wirken Gehirn und Psyche auf das Immunsystem ein?
| Wirken Gehirn und Psyche auf das Immunsystem ein? |
| G.A.R. 03.01.2008 |
Zwischen Gehirn und Immunsystem gibt es einen direkten "Draht" - jedenfalls bei Mäusen. Diese Erkenntnis resultiert aus Forschungsarbeiten von Wissenschaftlern am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Sie haben den Mäusedarm und die ihn umgebenden Blut- und Lymphgefäße mit speziellen Mikroskopier- und Markierungstechniken gründlich untersucht.
Zahlreiche Immunzellen im Gewebe rund um den Darm sind mit Nervenfasern und Nervenzellen verknüpft.
"Man kennt bereits viele Hinweise darauf, dass die Immunabwehr teilweise unter dem Einfluss des Nervensystems steht", sagt der Helmholtz-Wissenschaftler Dr. Kurt Dittmar. "Wir haben diese Verbindung jetzt unter dem Mikroskop sehen können."
Dittmar vermutet, dass die Verhältnisse beim Menschen nicht viel anders als bei der Maus lägen; auch hier geht man davon aus, dass Gehirn und Psyche auf das Immunsystem einwirken. "Für viele Infektions- und Autoimmunkrankheiten ist im klinischen Alltag ein Zusammenhang zwischen der Psyche und der Schwere der Krankheit bekannt."
"Wir wissen noch nicht, wie das Nervensystem die Immunabwehr steuert", sagt Dittmar. "Die Erforschung dieser Wechselwirkungen steht erst ganz am Anfang."
Bei ihren Untersuchungen bedienten sich die Wissenschaftler der Immunhistochemie: Gegen Moleküle der Zelloberflächen, die jeweils nur in einem bestimmten Gewebetyp vorkommen, werden Antikörper hergestellt, die man farbig markieren kann. Unterschiedliche Gewebe erscheinen dann im Lichtmikroskop in unterschiedlichen Farben.
"Diese Methoden haben wir weiter entwickelt. Jetzt können wir bis zu sieben Zelltypen gleichzeitig in histologischen Schnitten charakterisieren", erklärt der Gastforscher Bin Ma aus China. "Dabei haben wir erstaunlich viele Kontakte zwischen Immun- und Nervenzellen sichtbar gemacht. B-Lymphozyten, T-Lymphozyten, dendritische Zellen - das sind einige der wichtigsten Immunzell-Klassen - sie alle bilden Kontakte zu Nerven aus."
Dazu passt der Befund, dass in Lymphknoten rund um den Darm wie etwa den Peyerschen Plaques, wo sich solche Abwehrzellen sammeln, etliche Nervenfasern enden. Die Wissenschaftler fanden auch Hinweise darauf, dass Immunzellen die Botenstoffe des Nervensystems, die Transmitter, wahrnehmen können.
Quelle:
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
B. Ma. R. von Wasiliewski, W. Lindenmaier, K.E.J. Dittmar.
Immunohistochemical Study of the Blood and Lymphatic Vasculature and the Innervation of Mouse Gut and Gut-Associated Lymphoid Tissue
Anat. Histol. Embryol. Volume 36, issue 1 (2007).
Quelle: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
http://www.blackwell-synergy.com/doi/abs/10.1111/j.1439-0264.2006.00741.x
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