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Morbus Crohn: Reagiert das Immunsystem zu schwach?
Morbus Crohn: Reagiert das Immunsystem zu schwach?
G.A.R. 13.09.2006
Bei Morbus Crohn entzündet sich die Schleimhaut des Darms immer wieder an unterschiedlichen Stellen. Momentan wird bei der Erkrankung die These einer Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem überreagiert und das eigene Körpergewebe angreift, vertreten.  
Daniel Marks und Kollegen vom University College in London untersuchten mit verschiedenen Methoden das Immunsystem von Morbus Crohn-Patienten und beobachteten das Gegenteil. Die Reaktionen des Immunsystems waren deutlich schwächer als in der gesunden Vergleichsgruppe.  
Sie untersuchten die Neutrophilen, eine Subpopulation weißer Blutzellen, die Patienten mit Morbus Crohn auf Verletzungen im Darm (nach einer Biopsie) produzierten; es fanden sich bei den Patienten fast 80% weniger Neutrophile und niedrigere Mengen inflammatorische Mediatoren an den betroffenen Stelle als bei gesunden Kontrollpersonen. Das gleiche galt auch für Abschürfungen an der Haut. Hier war die Immunreaktion um 50% reduziert. Auch eindringende Bakterien riefen bei den erkrankten Patienten nur halb so starke Immunantworten hervor wie bei Gesunden. Während sich der Blutfluß bei gesunden Kontrollpersonen in der Gegend der Entzündung auf das fast 10-fache in 24 Stunden erhöhte, zeigten die Morbus-Crohn-Patienten einen deutlich niedrigeren Blutfluß.  
Betroffen ist bei dieser Erkrankung also nicht nur der Darm,sondern der gesamte Körper.  
Der Darmkrankheit liegt demnach ein allgemeiner Defekt des Immunsystems zugrunde. Die Wissenschaftler vermuten, daß sich dieser im Darm manifestiert, weil es dort extrem häufig zu Kontakten mit Bakterien und Mikroben kommt. Ursache könnte dabei eine reduzierte oder verspätete Anlockung von Neutrophilen sein zu den Stellen, an den die Bakterien die Darmwand durchdringen. Dieses führt zu einer Persistenz der Bakterien und anderen organischen Resten im Gewebe. Es kommt zu knötchenartigen Veränderungen an der Darmschleimhaut, die permanent entzündungsfördernde Substanzen exprimieren und zur Entwicklung einer Entzündung führen.  
Sollten sich diese Ergebnisse auch in größeren Studien bestätigen, müßte die Therapie der Darmerkrankung mit immunsuppressiven Medikamenten, die nur zu einer Symptomlinderung führt, gänzlich neu überdacht werden. Die chronische Entzündung wird unterdrückt, macht aber die die Gesamtsituation wahrscheinlich eher schlimmer als besser.  
So konnte in dieser Studie eine Beschleunigung des Blutflusses durch Sildenafil (Viagra) erreicht werden.  
Quelle:
The Lancet - Pressemeldung - Neue Erkenntnisse über die Ursachen von Morbus Crohn - 24.02.06  
D.J.B. Marks et al.
Defective acute inflammation in Crohn´s disease
Lancet 2006, 367, 668
http://www.thelancet.de/artikel/800766&template=d_lancet_pm_druck




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