Aktuelle Informationen zum Thema Autoimmun-Erkrankungen


Neue Wirkstoffgruppe zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis in den USA kurz vor der Zulassung
Neue Wirkstoffgruppe zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis in den USA kurz vor der Zulassung
D.S. 07.10.2005
In den USA steht eine völlig neue Wirkstoffgruppe zur Therapie von Autoimmun-Krankheiten kurz vor der Zulassung zur Anwendung bei der Therapie-refraktären Rheumatoiden Arthritis.  
Bei dem Wirkstoff Abatacept ist handelt es sich um einen sogenannten Fusions-Antikörper. Er stellt die erste Substanz aus einer Gruppe der selektiven Co-Stimulations-Blocker dar. Diese Medikamentengruppe wurde speziell für die Therapie von Autoimmun-Erkrankungen entwickelt. Der Wirkstoff wirkt auf der Ebene der T-Zell-Aktivierung. So werden diese Zellen bei Kontakt mit einem Fremdantigen (oder im FAlle einer Autoimmun-Erkrankung mit einem körpereigenen Bastandteil) über einen komplizierten Weg aktiviert. Abatacept blockiert nun eines der beiden hierfür notwendigen Signale.  
Dieser völlig neue Therapieansatz wurde nun in einer Phase-III-Studie an weltweit 89 Zentren an insgesamt 258 Patienten über sechs Monate getestet. Die Ergebnisse wurden kürzlich in dem renomierten New Englan Journal of Medicin veröffentlicht.
Die Probanden mussten ein Mindestalter von 18 Jahren haben und an einer Rheumatoiden Arthritis (mit einem durchschnittlichen Befall von 30 Gelenken!) leiden, die wenigstens über einenm Zeitraum von drei Monaten erfolglos mit Etanercept und/oder Infliximab behandelt worden ist.  
Den teilnehmenden 258 Patienten wurden mehrfach Kurzinfusionen mit Abatacept verabreicht, wohingegen die 133 Patienten der Vergleichsgruppe mit einem Placebo therapiert wurden
Als Endpunkt wurde eine Verbesserung um 20 Prozent auf der Skala des American College of Rheumatology (ACR 20) definiert. Dies erscheint zunächst als nicht besonders große Symptomverbesserung, bedeutet aber oftmals eine enorme subjektive Besserung des Beschwerdebildes.  
In dem Verum-Arm der Studie kam es bei insgesamt 80,9 Prozent der Probanden zu einer deutlichen Besserung der Symptome. Bei 50,4 Prozent wurde das Studienziel (die ACR-20-Verbesserung) erreicht, wohingegen es im Placeboarm nur in 19,5 Prozent der Fälle dazu kam. 20,3 Prozent der Patienten erreichten sogar eine ACR 50 (versus 3,8 Prozent) und bei 10,2 Prozent kam es sogar zu einer Symptomverbesserung um 70 Prozent (1,5 Prozent).  
Bedenken gegenüber Abatacept gibt es unter dem Aspekt, dass die Hemmung der T-Zell-Aktivierung auch zu einer Beeinträchtigung der Immunabwehr gegen Infektionen führen könnte. Laut den bei der FDA eingereichten Zulassungsunterlagen lag die Rate der schweren Infektionen unter Abatacept bei 3,0 Prozent versus 1,9 Prozent bei Placebo. Die Infektionen seien jedoch in Art, Schweregrad, Dauer und hinsichtlich ihrer Therapieergebnisse gleich gewesen.
Ein weiteres gewichtiges Bedenken gegenüber solch einen Antikörper betrifft ein möglicherweise erhöhtes Malignomrisiko infolge eines geschwächten Immunsystems. Da sich aber die hierfür ermitztelte Risikorate mit 1,3 Prozent unter Abatacept nicht von der im Placebo-Arm unterschied (1,1 Prozent), fand sich für derartige Befürchtungen kein Anhalt.  
Die Ergebnisse der vorgelegten Studie überzeugten die externen FDA-Berater, so dass sie bei einem ihrer Meinung vorliegenden günstigen Nutzen-Risiko-Verhältnis einstimmig die Zulassung empfahlen. Die FDA ist zwar nicht an das Votum der externen Gutachter gebunden, folgt ihm aber in den meisten Fällen.
http://content.nejm.org/cgi/content/short/353/11/1114




© 2010 Deutsche Gesellschaft für Autoimmun-Erkrankungen e.V. [ Copyright im Impressum ]
Bitte beachten Sie unseren Haftungshinweis [ Haftungshinweis im Impressum]