Lecithin lindert Beschwerden und heilt Geschwüre
| Lecithin lindert Beschwerden und heilt Geschwüre |
| G.A.R. 14.09.2005 |
Rund 200.000 Menschen leiden in Deutschland an Colitis ulcerosa. Die Erkrankung beginnt meist im jungen Erwachsenenalter. Blutige Geschwüre und heftige Schmerzen prägen das Krankheitsbild; das Risiko für Darmkrebs ist hoch. Medikamente lindern nur die Beschwerden; dabei müssen erhebliche Nebenwirkungen in Kauf genommen werden, etwa bei der Einnahme des entzündungshemmenden Kortisons.
Wissenschaftler der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg entdeckten ein vielversprechendes Medikament gegen die chronische Darmentzündung und setzten es in einer Studie ein.
Phosphatidylcholin - ein im Fettgemisch Lecithin enthaltenes und darin speziell aufbereitetes Fett - konnte die Beschwerden deutlich lindern und sogar eine vollständige Gesundung herbeiführen.
Das Team von Prof. Dr. Wolfgang Stremmel, Ärztlicher Direktor der Abtlg. Gastroenterologie, beschäftigt sich seit Jahren mit der Hypothese, daß bei Colitis ulcerosa die Schleimschicht auf den Darmzellen nicht mehr ausreichend Schutz vor Bakterien und anderen Entzündungsauslösern bietet. Sie entdeckten, daß Phosphatidylcholin ein wesentliche Bestandteil der intakten Schleimbarriere im Darm ist und Patienten mit Colitis ulcerosa weniger von diesem speziellen Fett haben.
Die Ergebnisse der Heidelberger Studie waren überzeugend:
60 Patienten mit fortgeschrittener Colitis ulcerosa wurden mit einem Lecithin oder einem Scheinpräparat (Placebo) behandelt.Das Fett wurde mikroverkapselt verpackt, so daß es von Verdauungsenzymen nicht angegriffen werden konnte und im unteren Dünndarm verzögert freigesetzt wird. Dort wurde es in den Schleim sezerniert und bot einen effektiven Schutz in hoher Konzentration.
Bei ca. 90 % der mit Lecithin behandelten Patienten besserten sich die Beschwerden innerhalb von 3 Monaten deutlich. Bei rund 60% (Placebo - 10 %) konnten unter der Therapie - ohne Nebenwirkungen - eine Gesundung erreicht werden. "Diese Heilungsrate ist vergleichbar mit der Kortisontherapie, die allerdings erhebliche Komplikationen mit sich bringen kann", erklärt Professor Stremmel.
Das mikroverkapselte und verzögert freigesetzte Fett kann als nebenwirkungsarmes Medikament eine effektive Behandlung herbeiführen, vermutlich auch bei anderen Darmerkrankungen.
Eine umfangreiche Studie - gefördert von der Dietmar-Hopp-Stiftung - wird von dem Heidelberger Forschungsteam durchgeführt; sie soll an einer größeren Zahl von Patienten die Effektivität dieser Therapie nachweisen.
Die Arbeit von Prof.Stremmel wurde jetzt in der Fachzeitschrift "GUT" veröffentlicht.
Retarded release phosphatidylcholine benefits patients with chronic active ulcerative colitis
W.Stremmel, U.Merle, A.Zahn, F. Autschbach, U Hinz, R .Ehehalt
GUT 2005,54, 966-971
Quelle:
Pressemitteilung des Uni-Klinikums Heidelberg
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=4386
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