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Antikörper in der Therapie des Typ-I-Diabetes
Antikörper in der Therapie des Typ-I-Diabetes
D.S. 25.07.2005
Bei der Pathogenese des Typ-1-Diabetes mellitus spielen nach derzeitigem Kenntnisstand Autoimmunprozesse eine gewichtige Rolle. So kommt es durch eine bis heute unbekannte Ursache dazu, dass Insulin-produzierende Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört werden. In der Folge davon, werden die toten Zellen abgebaut und von antigenpräsentierenden Zellen zu den Lymphknoten abtransportiert. Hier setzt dann der eigentliche fatale Prozess in der Pathogenese der Krankheit ein, da die abgebauten Beta-Zellen vom Immunsystem als „körperfremd“ verkannt werden. Aus diesem Grund kommt es zur konsekutiven Bildung von Plasmazellen die (Auto-)Antikörper gegen die Beta-Zellen produzieren und es so zu einer Zerstörung dieser kommt.
NAch heutigem Kenntnisstand geht man davon aus, dass es zu einem Ausbruch der Erkankung kommt, wenn etwa 80 bis 90 Prozent der Insulin-produzierenden Zellen zerstört sind. Aus diesem Grund haben viele Patienten zur Zeit der Diagnosestellung noch eine Reserve an Beta-Zellen, die jedoch in den meisten Fällen im Verlauf des ersten Jahres der Erkrankung verloren geht.  
Da der Erkrankungsmechanismus auf diese Art und Weise geklärt ist, erscheint es nur logisch, dass versucht wird das Fortschreiten der Autoimmunprozesse zu verhindern. In der Vergangenheit fanden hierzu Studien mit dem Immunsuppressivum Cyclosporin statt. Da es bei einer längeren Behandlung mit diesem Medikament jedoch zu schweren Nierenschädigungen kommen kann, überwiegen die Nachteile dieser Therapie gegenüber denen einer dauerhaften Insulin-Substitution bei weitem.
Ein neuerer Therapieansatz, der bereits im Tierexperiment viel versprechende Erfolge bringen konnte, ist die Behandlung mit einem Antikörper gegen das Zell-Oberflächenmolekül CD3. Bei diesen Studien ist die genaue Wirkungsweise der Antikörper noch nicht vollständig geklärt. Man geht aber davon aus, dass der Antikörper die Bildung von sogenannten regulatorischen T-Zellen fördert, die die Attacke auf die körpereigenen Beta-Zellen verhindern können.  
Eine europäische Forschergemeinschaft (koordiniert durch das Diabetes-Forschungszentrum an der Freien Universität Brüssel) verfolgte diesen Ansatz nun erstmals an einer größeren Anzahl von Probanden.
Die 80 teilnehmenden Patienten mussten relativ strenge Auswahlkriterien erüllen: Therapiedauer mit Insulinpräparaten nicht länger als vier Wochen, polyurische Phase von maximal sechs Monaten, maximale Höhe des Bluzuckers von 259 mg/dl und ein maximaler Abfall des C-Peptides auf 0,20 nmol/Liter (Marker für die verbliebene Insulinproduktion).
Die Probanden wurden während der Studie über einen Zeitraum von sechs Tagen täglich mit dem humanen IgG1-Antikörper ChAglyCD3 oder einem Placebo behandelt.  
Die Ergebnisse scheinen vielversprechend. So blieben die Patienten erwartungsgemäß weiterhin insulinpflichtig, der Bedarf an Insulin lag jedoch bei der Verum-Gruppe auch nach 18 Monaten noch um 12 Prozent niedriger als vor der Therapie. In der mit dem Placebo behandelten Gruppe stieg der Insulinbedarf in der gleichen Zeit hingegen um 50 Prozent.
Die C-Peptid-Werte konnten ebenfalls deutlich gebessert werden. Sie fielen im Verlauf des 18monatigen Beobachtungszeitraum jedoch wieder auf den Ursprungswert zurück. Im Vergleich dazu hatte die Vergleichsgruppe allerdings eine Verschlechterung des entsprechenden Wertes um 37% im gleichen Zeitraum.
Im Gegensatz zu einer Therapie mit Cyclosporin hielten sich die Nebenwirkungen bei der Therapie mit ChAglyCD3 in Grenzen. Der Großteil der Probanden erkrankte für einen kurzen Zeitraum an grippeähnlichen Symptomen. Einige zeigten in den ersten drei Wochen nach Therapie die Symptome einer Epstein-Barr-Virus-Infektion (Mononucleose), die jedoch auch nur transient waren.  
Da sich die besten Ergebnisse bei den Patienten mit der zur Zeit der Behandlung noch höchsten Betazell-Funktion erzielen ließen, scheint ein möglichst frühzeitiger Therapiebeginn für den Erfolg eine große Rolle zu spielen. So könnte also ein mögliches Kriterium für solch eine Therapie der Nachweis von Insellzell-Autoantikörpern bei Personen mit erhöhtem Diabetesrisiko sein, da sich diese in aller Regel bereits vor Ausbruch der Erkrankung nachweisen lassen.
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